Im Interview: Davide De Giorgi über H2-Testing

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Davide De Giorgi

Zum Ende des Jahres 2025 haben wir uns mit unserem Kollegen Davide De Giorgi über die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt für Testlösungen im Umfeld von Wasserstofftechnologien unterhalten. Davide ist bei SMART TESTSOLUTIONS Head of Strategic Business Development und war im vergangenen Jahr auf zahlreichen Konferenzen und Messen unterwegs.

Rückblick 2025 – Wasserstofftestsysteme

Davide, wie würdest du das Jahr 2025 in Bezug auf Testlösungen für Wasserstofftechnologien beschreiben?

2025 war ein Jahr der Realitätsprüfung. Nach der sehr dynamischen Anfangsphase in der Wasserstoffbranche – insbesondere rund um Brennstoffzellen und Elektrolyseure – hat sich der Markt spürbar konsolidiert. Projekte wurden neu priorisiert oder langsamer umgesetzt. Gleichzeitig ist das Interesse an industrietauglichen Testsystemen sowie an der präzisen Überwachung der Zellspannungen deutlich gestiegen.

Der Fokus hat sich klar von visionären Ankündigungen hin zu Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Kostenkontrolle verschoben.

Welche technologischen Entwicklungen haben das Jahr geprägt?

Wir haben weniger große Sprünge gesehen, dafür aber viele entscheidende Verbesserungen: stabilere Sensorsysteme, höhere Kanalzahlen und bessere Integrationen in komplexe Testumgebungen.

Besonders stark war die Nachfrage nach skalierbaren, modularen Testlösungen und zuverlässigen Systemen zum Cell Voltage Monitoring (CVM) für Brennstoffzellen und Elektrolyseure. Die CVM-Systeme ermöglichen eine kontinuierliche und hochauflösende Überwachung der Zellspannungen, was für langlebige und sichere Anlagen essenziell ist.

Welche Hürden haben die Entwicklung 2025 am deutlichsten gebremst?

Drei Themen haben sich herauskristallisiert:
1. Fehlende Standardisierung – sowohl bei Schnittstellen als auch bei Prüfmethoden für Brennstoffzellen und Elektrolyseure.
2. Kostendruck – Testsysteme müssen effizienter, einfacher und robuster werden.
3. Infrastrukturdefizite – besonders beim Schritt vom Labor zum industriellen Dauerbetrieb.

Davide De Giorgi und Silke Thole
Silke Thole und Davide De Giorgi im Gespräch.

Zukunftsperspektiven für Testsysteme in Brennstoffzellen- und Elektrolyse-Anwendungen

Welche Trends erwartest du für die nächsten Jahre?

Der Markt bewegt sich hin zur Industrialisierung und Serienfähigkeit. Testsysteme werden künftig stärker in Gesamtprozesse integriert – von der Entwicklung über die Qualitätssicherung bis zum Betrieb.
Wichtig wird die langfristige Datennutzung: Langzeitmonitoring, vorausschauende Wartung und intelligente Analysemodelle für Brennstoffzellen- und Elektrolyseur Stacks.

Welche Rolle spielen Standardisierung, Automatisierung und Digitalisierung?

• Standardisierung schafft Vergleichbarkeit und erleichtert die Skalierung – ein Muss für die breite Anwendung von Wasserstofftechnologien.
• Automatisierung reduziert Bedienereinfluss und steigert Wiederholgenauigkeit.
• Digitalisierung wird zum zentralen Produktivitätsmotor: digitale Prüfpläne, automatische Reports, Remote Diagnose und Analytics für Drift- oder Degradationsprozesse.

Erfüllen sich die Erwartungen an Wasserstoff realistisch?

Ja – aber langsamer und differenzierter, als anfangs erwartet. Wasserstoff wird keine universelle Lösung sein, aber eine Schlüsseltechnologie, vor allem in Industrie, Energieumwandlung und speziellen Mobilitätsanwendungen. Gerade dort, wo Brennstoffzellen und Elektrolyseure echte technische Vorteile bieten, wird die Nachfrage weiter steigen.

Davide De Giorgi

30 Jahre CVM – Bedeutung für die Branche

SMART Testsolutions feiert bald 30 Jahre CVM-Lösungen. Wie hat CVM die Branche geprägt?

Cell Voltage Monitoring (CVM) ist seit Jahrzehnten ein zentraler Baustein in der Überwachung der Zellspannungen. Die Technologie hat elektrochemische Systeme – insbesondere Brennstoffzellen, Batterien und heute zunehmend auch Elektrolyseure – transparenter, sicherer und beherrschbarer gemacht. CVM hat den Wandel von reinem Systembetrieb hin zu zellbasierter Diagnose und Qualitätssicherung maßgeblich ermöglicht.

Was bedeutet das Jubiläum für dich persönlich und für die Division E Cell Electronics?

Es steht für Kontinuität, technologische Tiefe und Lernkurven, die man nicht kurzfristig aufbauen kann.
Für die Abteilung bedeutet es Verantwortung: bestehendes Know-how weiterentwickeln und gleichzeitig offen für neue Anwendungen in Brennstoffzellen und Elektrolyse-Anlagen bleiben.

Interesse an einem Austausch?

Sie würden sich gerne mit Davide austauschen – sei es über ein konkretes Projekt, eine Kooperationsidee oder ähnliches? Dann nehmen Sie gerne Kontakt auf: davide.degiorgi@smart-ts.de.

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